Politik mit Nudges: Transparenz vs. Intransparenz

Manche Nudges beeinflussen unbewusst, andere lösen bewusste Entscheidungsprozesse aus. Für Alltags-Applikationen sollten sie möglichst transparent gestaltet sein.

Politik mit Nudges: Transparenz vs. Intransparenz
Lizenz: Public Domain

2008 veröffentlichten Thaler und Sunstein ihr mittlerweile zum Klassiker gewordenes Buch über Nudges, die wohlwollenden Stupser, die uns zu besseren Entscheidungen verhelfen können. Seitdem reissen die Debatten nicht ab, welche Art des „libertären Paternalismus“, wie die beiden amerikanischen Ökonomen diese Form der Einflussnahme bezeichnen, gut gemeint ist – und welche einer Bevormundung gleichkommen und womöglich die individuelle Freiheit einschränken.

Ein Paper hat nun versucht, den Einsatz von Nudging als politische Massnahme zu kategorisieren. Die Autoren verwenden dafür eine Systematik, die sich an Daniel Kahneman orientiert  – die Beeinflussung des automatischen, intuitiven Verhaltens (Typ 1), und des trägen und reflektierenden Systems 2 (Typ 2). Diese beiden Kategorien werden jeweils betrachtet, wie sie auf transparente beziehungsweise intransparente Nudges reagieren.

Die vier Nudge-Varianten

Linda Lindstroms vom Blog The Swedish Nudging Network erstellte eine einfache Übersicht aus den vier entstehenden Typen:

  • Typ 1 – Transparenter Nudge: Hier ist das kognitive System mit der Verarbeitung kaum beschäftigt, aber der Nudge so offensichtlich gestaltet, dass die beeinflusste Person die Absicht dahinter erkennen kann. Beispiel: Rote Farbe, um Aufmerksamkeit zu erregen.
  • Typ 2 – Transparenter Nudge: Das reflexive System wird angeregt und kommt zu Entscheidungen, die der betreffenden Person bewusst sind. Beispiel: Stupser in Richtung eines Organ-Spendeausweises.
  • Typ 1 – Intransparenter Nudge: Eine Änderung im automatischen Verhalten wird ausgelöst, ohne die Absicht hinter dem Nudge zu offenbaren. Beispiel: Kleinere Teller in Kantinen.
  • Typ 2 – Intransparenter Nudge: Das reflexive System arbeitet zwar, aber nicht in einem Ausmass, dass dem Betreffenden die Absicht des Nudges komplett klar macht. Beispiel: Das Anbringen von Smileys, um die Compliance beim Wegräumen der eigenen Sachen zu erhöhen.

Wie Nudges wirken, hänge jedoch ganz vom Individuum ab, so Lindstroms:

Thus, one comment that I would like to add to this paper is that people have different reactions to the nudge depending on their own internal context. A nudge can be subjective – transparent for one person while non-transparent for another hence may be hard to charegorize. But in general, I think this is a quite nice way of analysing central component for a more nuanced ethical framework for policy recommendation.

Für den Erfolg politischer Massnahmen lässt sich aus dieser Kategorisierung von Nudges ein wichtiger Schluss ziehen: Um dem Vorwurf zu entgehen, dass die Bevölkerung bevormundet werden soll, müssen die Verantwortlichen ihre Instrumente so transparent wie möglich gestalten und Kosten und Benefits immer mit Bedacht evaluieren.

Quellen:

  • Linus Huber

    Diese paternalistische Einstellung der Entscheidungsträger beinhaltet die aristokratische Sichtweise, dass sie die komplexen gesellschaftlichen Abläufe und Zusammenhänge, welche zu höherem Wohlstand und Wohlbefinden führen, besser als der Durchschnitt der Bevölkerung zu beurteilen wissen, und daher ihre eigenen Vorstellungen durchzusetzen pflegen. Ebenfalls würde die Anwendung solcher teilweise intransparenter Manipulationsmittel bedingen, dass diejenigen, welche diese Mittel einsetzen, mit höheren ethischen und moralischen Attributen als der Durchschnittsbürger versehen wären, was ich nicht nur bezweifle, sondern nicht grundlos vermute, dass das eigentliche Gegenteil der Fall sein dürfte.