Armin Falk: Globale Mehrheit ist bereit, für Klimaschutz zu zahlen

Am 8. Mai 2024 veranstaltet die “Digital Academy of Behavioral Economics” (ABEC) eine spannende Online-Abendveranstaltung mit Professor Armin Falk. Der renommierte Verhaltensökonom zeigt, welche gesellschaftlichen Konsequenzen individuelle Verhaltensmuster haben können.

Armin Falk: Globale Mehrheit ist bereit, für Klimaschutz zu zahlen
Foto: Simon Berger/pexels.com

Armin Falk, ein führender Wirtschaftsprofessor an der Universität Bonn und Direktor sowohl des Behavior and Inequality Research Institute (briq) als auch des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, hinterfragt mit seinen bahnbrechenden Forschungen die traditionelle Vorstellung vom stets rationalen und selbstsüchtigen Homo Oeconomicus. Unterstützt durch die Arbeiten vieler Ökonomen offenbaren Falks Studien, dass menschliches Verhalten oft durch begrenzte Rationalität und soziale Motive wie Fairness und Vertrauen geformt wird. Ein markantes Beispiel für seine innovative Forschungsrichtung ist seine neueste Studie, durchgeführt mit Peter Andre vom Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt, Teodora Boneva von der Universität Bonn und Felix Chopra von der Universität Kopenhagen. Diese Studie zeigt erstmals, dass eine breite Mehrheit der globalen Bevölkerung Klimaschutz befürwortet und bereit ist, dafür auch Kosten zu tragen.

69 Prozent wären bereit, ein Prozent ihres Einkommens zu spenden

Eine umfassende globale Umfrage mit Beteiligung von rund 130.000 Personen aus 125 Ländern zeigt eine weitverbreitete Bereitschaft der Weltbevölkerung, sich finanziell im Kampf gegen den Klimawandel zu engagieren. Laut Studie sind 69 Prozent der Befragten bereit, ein Prozent ihres Einkommens für Klimaschutzmaßnahmen zu spenden. Zudem unterstützen 86 Prozent die Schaffung klimafreundlicher sozialer Normen, während beeindruckende 89 Prozent eine Verschärfung der politischen Maßnahmen zum Klimaschutz fordern. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass insbesondere in Ländern, die stark unter den Auswirkungen der globalen Erwärmung leiden, die Bereitschaft zum Handeln besonders ausgeprägt ist. In wohlhabenderen Nationen mit einem hohen Bruttoinlandsprodukt pro Kopf fällt diese Bereitschaft geringer aus. In den USA, Kanada und Russland liegt demnach die Bereitschaft, ein Prozent des Haushaltseinkommens für den Klimaschutz zu geben, nur bei geringen 40 bis 49 Prozent. Deutschland, Polen, Brasilien und Indien befinden sich mit 60 bis 69 Prozent im Mittelfeld, während in China die Bereitschaft besonders hoch ist.

Ermutigendes Ergebnis

Armin sieht in den Ergebnissen seiner neuesten Studie starke Anzeichen für ein weltweites Engagement im Klimaschutz. Er hebt hervor, dass der Schutz des Weltklimas als globales öffentliches Gut breite Zustimmung findet. Ein Fakt, der deutlich in den Studiendaten zum Ausdruck kommt. Weiterhin betont er, dass selbst ein Prozent des Einkommens, basierend auf den Schätzungen des Weltklimarats IPCC zu den erforderlichen Klimaschutzkosten, eine erhebliche Summe darstellt. Die starke Zustimmung zu sozialen Normen und die deutliche Forderung nach politischem Handeln unterstreichen das tiefe, weltweite Commitment zum Klimaschutz.

Pluralistische Ignoranz und Klimaschutz-Bereitschaft

Trotz positiver Daten zur Klimaschutzbereitschaft zeigt Armins Forschung, dass die Bevölkerung in jedem Land dazu neigt, die Unterstützung ihrer Mitbürger für den Klimaschutz systematisch zu unterschätzen – ein Phänomen, das er als “pluralistische Ignoranz” beschreibt. Obwohl 69 Prozent eine bedeutende Mehrheit darstellen, glauben viele fälschlicherweise, sie seien in der Minderheit, was ihre Motivation zum Klimaschutz schwächen kann. Menschen handeln eher kooperativ, wenn sie denken, dass auch andere mitwirken. Armin sieht die Lösung in der Aufklärung über die tatsächlich hohe Bereitschaft zum Klimaschutz, was wiederum das kooperative Verhalten verstärken könnte. Die Forschenden empfehlen, statt den Bedenken einer lautstarken Minderheit nachzugeben, die Klimaschutzmaßnahmen ablehnt, die Tatsache zu kommunizieren, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung bereit ist, gegen den Klimawandel aktiv zu werden und dies auch von der Politik erwartet. Diese Haltung kontrastiert mit der häufigen medialen Überrepräsentation von Minderheiten, die durch eine Aufmerksamkeitsökonomie verstärkt wird und oft zu einem Pessimismus führt, welcher die Gesellschaft lähmt. Stattdessen schlägt Armin vor, durch Optimismus eine positive Dynamik zu fördern. Für ihn wären auch die vom Wirtschaftsnobelpreisträger William Nordhaus vorgeschlagenen “Klimaclubs” ein praktikabler Ansatz, um Wettbewerbsnachteile durch strengere Umweltauflagen auszugleichen. Beitretende Länder müssen bestimmte Umweltauflagen erfüllen, was den internationalen Handel beeinflusst und andere Länder motiviert, beizutreten, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Langfristig könnte dies eine globale Lösung im Kampf gegen den Klimawandel darstellen.

8. Mai 2024, 18:30
Armin Falk bei der Digital Academy of Behavioral Economics

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