Report: Evidenzbasierte Grundlagen für eine wirksamere Integrations-Politik

Bisherige Integrationsmassnahmen haben oft wenig gefruchtet. Ein neues Paper des britischen Nudge-Unit „Behavioural Insights“ zeigt verhaltensökonomische Ansätze, durch die ein besserer gesellschaftlicher Zusammenhalt in Zeiten grosser Migrationsbewegungen erreicht werden kann.

Report: Evidenzbasierte Grundlagen für eine wirksamere Integrations-Politik

Durch die Flüchtlingswellen der vergangenen Jahre werden viele Gesellschaften immer bunter, was – unter anderem – bei der bestehenden Bevölkerung für Verunsicherung, Ängste und Aufflackern von Nationalismen sorgen kann. Integration lautet das Zauberwort, aber die Umsetzung ist mit Hürden gespickt.

Die britische Nudge-Unit „Behavioural Insights“ hat gemeinsam mit dem Institut für Migrationspolitik einen Bericht zu diesem Thema herausgegeben. Zur Sicherung von Frieden und Sicherheit muss eine Gesellschaft möglichst grossen sozialen Zusammenhalt anstreben. Multikulturelle Gesellschaften sehen sich dabei besonderen Herausforderungen gegenüber: Wir neigen dazu, Personen, die anders sind als wir, weniger zu vertrauen. Und wenn die unterschiedlichen kulturellen Gruppen voneinander getrennt leben, ist der Rückgang von Vertrauen noch grösser.

Wenig Erfolg für bisherige Integrationsförderung

Es gibt deutliche Hinweise, dass bestehende Ansätze zur Integrationsförderung bisher nur begrenzte Wirkungen zeigen. Um die Gründe dafür zu verstehen und eine solide Evidenzbasis für die zukünftige Politik zu schaffen, kann die Verhaltensforschung helfen.

Im Bericht „Applying Behavioral Insights to Support Immigrant Integration and Social Cohesion“ werden einige Beispiele genannt:

  • Ermutigung zu einer gemeinsamen Identität: Gruppenzugehörigkeit ist formbar, und wir können uns als Mitglieder mehrerer überlappender Gruppen vorstellen, besagen Studien. Das kann beispielsweise erreicht werden, indem gemeinsame Identitäten hervorgehoben werden – Sportmannschaften sind etwa probat zur Überwindung von Trennlinien.
  • Selbstbild und Überzeugungen unterstützen: Menschen, die sich ihres Glaubens und ihrer Identität sicher sind, sind weniger defensiv und offener für alternative Sichtweisen. Mit einem gestärkten Selbstbild können Vorurteile zwischen Gruppen abgebaut und Herdendenken vermindert werden.
  • Staatsbürgerschafts-Zeremonien: Der Erhalt der Staatsbürgerschaft ist ein wichtiger Meilenstein der bürgerlichen Integration, und Zeremonien zu diesem Anlass sind sowohl für Neuankömmlinge als auch für die bestehende Bevölkerung bedeutungsvoll. Damit kann ein aktives Bürgertum befeuert werden, etwa die Wählerregistrierung und freiwillige Engagements. Und:

They can also be an opportunity for existing citizens to witness the value and loyalty that newcomers attach to the citizen status, highlighting shared identities and promoting greater tolerance towards newcomers.

Aktuell werden diese Ideen an britischen Schulen und mit lokalen Behörden getestet. Die ersten Ergebnisse soll es schon Anfang nächsten Jahres geben.

Quellen: