Interview: Welche Verhaltens-Mechanismen zu einer besseren Zusammenarbeit führen

Wie einen Streit um das grössere Stück vom Kuchen verhindern? Mittels Intuition oder Ratio Entscheidungen treffen? Zwei Ökonomen geben Einblick, wie Führung und systematisches menschliches Verhalten zusammen hängen.

Interview: Welche Verhaltens-Mechanismen zu einer besseren Zusammenarbeit führen

In einem McKinsey-Interview sprechen der Nobelpreis-Träger und Harvard-Professor Eric Maskin und Eyal Winter, Ökonomie-Professor an der Hebrew University of Jerusalem, über ihre Erkenntnisse hinsichtlich Performance, Zusammenarbeit und Innovation.

Sollen sich Führungskräfte auf ihr Bauchgefühl verlassen? Jein, sagen die Experten. Intuition und Ratio spielen bei Entscheidungen meistens zusammen, dürfen also nicht als zwei getrennte Schubladen gesehen werden. Aber, so Eric Maskin:

But it’s not always the case that the situation that we find ourselves in is well matched to the situation that our emotions have evolved for. For example, we may have a negative emotional reaction on meeting people who, at least superficially, seem very different from us—“fear of the other.” This emotion evolved for a good purpose; in a tribal world, other tribes posed a threat. But that kind of emotion can get in the way of interactions today. It introduces immediate hostility when there shouldn’t be hostility.

Der Mensch hat jedoch gelernt, in den meisten Situationen diese Abneigung gegenüber dem “Anderen” noch einmal zu überdenken.

Cutting the Cake

Falls allzu Menschliches – zum Beispiel Egoismus – dem Wohl der Gemeinschaft – zum Beispiel ein Unternehmen – im Weg stehen sollte, kann das Verhalten durch einfache Mechanismen in eine produktivere Richtung gelenkt werden. Erklärt wird das anhand eines Kuchen, von dem zwei Kinder jeweils gerne das grössere Stück hätten:

You let one of the children, say, Bob, do the cutting, but then allow the other, Alice, to choose which piece she takes for herself. The reason why this works is that it exploits Bob’s objective to get as much cake as possible. When he’s cutting the cake, he will make sure that, from his point of view, the two pieces are exactly equal because he knows that if they’re not, Alice will take the bigger one.

Mehr über solche Verhaltensmechanismen und wie sie Zusammenarbeit und Innovation in Organisationen, unter anderem auch in der Wissenschaft, fördern können, findet sich im ausführlichen Interview.

McKinsey Quarterly | Leadership and behavior: Mastering the mechanics of reason and emotion»

  • www.FlorianWillet.com

    „it’s not always the case that the situation that we find ourselves in is well matched to the situation that our emotions have evolved for (…) This emotion evolved for a good purpose.“

    Ich muss mich zügeln, um das nicht herablassend zu kommentieren. Das Zitat könnte auch aus dem Zusammenhang gerissen sein.

    In jeder zeitlichen Sequenz evolvieren (vermehren sich mehr: quantitativ!, oder werden leistungs- oder leidensfähiger: qualitativ! – immer ceteris paribus natürlich!) jene stärker, deren Eigenschaften rein zufällig besser, oder weniger schlecht, auf die Gegenwart passen. Eine Sequenz später, wenn das ökologische Umfeld sich bereits wieder verändert hat, findet zufällige Filterung auf ein anderes Merkmal statt. Alles, was evolviert ist, repräsentiert die Vergangenheit auf dem Abstammungspfad. Es ist in jeder Sequenz so, dass auf die Gegenwart noch niemand angepasst ist. Auch und gerade in sozialen Zusammenhängen.

    Emotionen sind niemals „for“ etwas evolviert. Erst recht nicht für irgendeine Absicht, einen Zweck oder ein sonstiges „purpose“. Evolution folgt blind-zufälligen Algorithmen.

    Wenn Mikroorganismen resistent gegen Antibiotika werden, dann auch nicht weil sie eine Intention hätten.

    Die Verdienste von Eyal Winter um die Verhaltensökonomie schätze ich als grösser ein als die von Eric Maskin.

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    Eine Person den Kuchen schneiden und die andere wählen zu lassen funktioniert bei intelligenten Teilnehmern auch nur einmal.

    Es ist praktisch unmöglich zwei absolut gleichgrosse Kuchenstücke zurechtzuschneiden. Egal wer schneidet. Egal ob man selbst, oder ein anderer. Also ist es immer besser den anderen schneiden zu lassen, damit man anschliessend das Stück wählen kann, das demjenigen grösser geraten ist.