FehrAdvice in “20 Minuten”: “Zu hohe Boni sind ein Resultat von schlecht designten Vergütungsmodellen”

Traditionell wird Anfang Jahr über die Höhe der Bonuszahlungen entschieden. So auch bei der UBS, deren deren Bonustopf sich gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Franken füllte. Der Artikel “Voller Bonustopf, unmotivierte Mitarbeiter” in “20 Minuten” aus diesem Anlass das Design fairer Vergütungssysteme. Darin kommt auch Andreas Staub, Senior Managing Partner bei FehrAdvice & Partners AG, ausführlich zu Wort.

Aus 20 Minuten:

Es hilft nichts, wenn die Boni laufend erhöht werden. Laut Andreas Staub vom Beratungsunternehmen FehrAdvice hat dies nur einen geringen Einfluss auf die Motivation: «Wenn ein UBS-Manager jetzt drei statt zwei Millionen Franken Bonus bekommt, ist er dadurch höchstens kurzfristig motivierter.»

Dazu komme der Druck von aussen. Topmanager mit hohen Boni stehen per se unter öffentlicher Kritik. Hohe UBS-Boni waren mitunter der Haupttreiber in der öffentlichen Diskussion zur Abzocker-Initiative. Laut der UBS sei die jetzige Erhöhung des Bonustopfs eine Rückkehr zur Normalisierung. Für Staub entstehen solche Debatten erst dadurch, weil die Unternehmen nicht offen und transparent ihr Vergütungsmodell kommunizieren. Es müsse einfach nachvollziehbar sein, warum ein Topmanager solch einen hohen Bonus bekommt.

Staub zieht dabei Parallelen zum Sport: «Wenn Roger Federer 50 Millionen Franken Preisgeld (Bonus) bekommt, dann regt sich auch niemand darüber auf.» Denn jeder weiss, welche Leistung zu diesem Extrageld geführt hat. Genauso müsse auch ein Topmanager darlegen können, welche Leistung ihn berechtigt, einen solchen Bonus zu verdienen. Zu hohe Boni seien deshalb nur ein Resultat von schlecht designten Vergütungsmodellen, die man wenig versteht, sagt Staub.

Grundsätzlich findet es der Experte richtig, dass gute Leistungen auch mit einem entsprechenden Bonus belohnt werden. Genauso müsse das Vergütungsmodell von Unternehmen aber auch schlechten Leistungen mit einem Malus gegenüber dem Zielgehalt gerecht werden. Das Vergütungsmodell ist ein Steuerungsinstrument, das die richtigen Anreize setzen muss, sagt Staub.

20 Minuten | Voller Bonustopf, unmotivierte Mitarbeiter»

  • Spitzfindigerweise kann darauf hingewiesen werden, dass es eine interessante Frage sein mag, ob “hohe Boni (…) ein Resultat von schlecht designten Vergütungsmodellen” sind.
    Aber “Zu” hohe sind es bereits per Definition!

  • Ich bitte im Voraus darum, stellenweisen Sarkasmus zu verzeihen!

    „«Wer zu sehr auf den Bonus fixiert ist, wird auf Dauer unglücklich», sagt Katja Rost, Professorin für Wirtschaftssoziologie an der Universität Zürich. Sie definiert Zufriedenheit im Job über eine erfüllende Aufgabe, Zusammengehörigkeitsgefühl und eine ausgewogene Work-Life-Balance.“.

    Na dann sollte mündigen Bankern vielleicht einfach die Wahl gelassen werden. Entweder sie nehmen ihren Bonus oder einen Wellnessgutschein. Auf das Ergebnis bin ich nicht wirklich gespannt.

    „«Weil ein Bonus an klare Leistungs- und Zielvorgaben gekoppelt ist, geht dadurch die Freude an der eigentlichen Aufgabe verloren.» Als Beispiel nennt Rost einen Kundenberater, der 100 Verträge abschliessen müsse, um den Bonus zu erhalten. Die Freude am Beruf stehe somit nicht mehr im Vordergrund. «Stattdessen wird er sich jetzt hauptsächlich damit beschäftigen, sein Bonusziel zu erreichen – nämlich Verträge abzuschliessen»“.

    Es mag zweifelsohne der Fall sein, was Katja hier ausführt. Aber der Kundenberater hat einen Arbeitgeber. Und dieser Arbeitgeber ist vielleicht an einhundert oder mehr Vertragsabschlüssen mehr interessiert als an der Arbeitsfreude des Angestellten.

    „Hohe UBS-Boni waren mitunter der Haupttreiber in der öffentlichen Diskussion zur Abzockerinitiative. Laut der UBS ist die jetzige Erhöhung des Bonustopfs eine Rückkehr zur Normalisierung (siehe Box). Für Staub entstehen solche Debatten erst dadurch, dass die Unternehmen nicht offen und transparent ihr Vergütungsmodell kommunizieren“.

    Solche Debatten entstehen weniger durch hohe Boni als durch Populismus und begrenztes Wirtschaftsverständnis.

    „Genauso müsse auch ein Topmanager darlegen können, welche Leistung ihn berechtigt, einen solchen Bonus zu verdienen. Zu hohe Boni seien deshalb nur ein Resultat von schlecht designten Vergütungsmodellen, die man schlecht verstehe“.

    Ein Topmanager könnte das gar nicht darlegen. Und er würde es auch kaum wollen. Mindestens aus seiner Sicht sind derart designte Vergütungsmodelle alles andere als schlecht. Inwieweit sie es auch aus anderen Perspektiven sind, hängt von den Perspektiven ab. Und von den Prämissen!

    „Genauso müsse das Vergütungsmodell von Unternehmen aber auch schlechten Leistungen mit einem Malus gegenüber dem Zielgehalt gerecht werden“.

    Das hätte erhebliche Konsequenzen, von denen auch gesellschaftlich die wenigsten gewollt wären.
    Die Folgen und Folgenfolgen wären von sehr komplexer Gestalt.
    Aber es wäre eh nicht praktikabel, sondern gehört zum Bereich „Wunschdenken“.