Experimentelle Arbeitsmodelle im Praxistest

Eine Studie der FehrAdvice & Partners AG zeigt, wie Flexibilität, Autonomie und der Einsatz digitaler Tools die Arbeitswelt revolutionieren können, ohne dass dabei die Produktivität und Loyalität zum Unternehmen auf der Strecke bleiben.

Experimentelle Arbeitsmodelle im Praxistest

Dies ist der zweite Teil der Serie «Die Zukunft der Arbeit». Zum ersten Teil geht es hier.

In einer Ära beispielloser Veränderungen, angefacht durch eine globale Pandemie, stand die Arbeitswelt vor zwei Jahren an der Schwelle einer Revolution. Während dieser Phase des Umbruchs startete die FehrAdvice & Partners AG ein Experiment, synchronisiert mit den bahnbrechenden Forschungen von Nicholas Bloom, dem angesehenen Stanford-Professor und Experten für Arbeitsökonomie. Während die Welt auf eine Rückkehr ins Büro wartete, machte unser Unternehmen ein zwölfmonatiges Forschungsprojekt bei einer führenden Schweizer Bank, das darauf abzielte, die Auswirkungen der Remote-Arbeit zu erforschen. Unser Experiment führte zu Erkenntnissen, die sowohl überraschend als auch aufschlussreich waren. Begleiten Sie uns auf dieser Reise, die die Art und Weise, wie wir arbeiten, für immer verändert hat.

Flexibilität im Fokus: Die neuen Arbeitsmodi

Das Experiment der FehrAdvice & Partners AG in einer Schweizer Bank erforschte, wie die Wahl des Arbeitsortes Produktivität und Wohlbefinden beeinflusst. Verschiedene Arbeitsmodelle reichten von traditioneller Büroarbeit bis zu vollständigem Homeoffice:

Flex-Team-Modell: Teams wählten zwischen Büro und Homeoffice, was die Mitarbeiterzufriedenheit steigerte.

Manager-Mitarbeiter-Kombi: Strukturierte Fernarbeitspläne balancierten Unternehmensanforderungen mit Mitarbeiterbedürfnissen.

Standard-Betriebsmodus: Orientierte sich an einer schrittweisen Rückkehr ins Büro, bot Stabilität für strukturpräferierende Mitarbeiter.

Kontrollgruppe: Arbeitete unter Standardbedingungen, um die Effekte der anderen Modelle zu messen.

Unsere Forschung widerlegte die weitverbreitete Annahme, dass flexiblere Arbeitsbedingungen die Produktivität mindern. In der Schweizer Bankstudie stieg die Produktivität durch Homeoffice sogar an, was globale Studien wie die von Professor Nicholas Bloom bestätigen. Teams unter der Flex-Team-Option zeigten eine erhöhte kollektive Effizienz und Engagement, wobei die Wahl des Arbeitsortes als starker Motivator fungierte. Die Manager-Mitarbeiter-Auswahl ermöglichte individuell angepasste Arbeitsmodelle, die sowohl Produktivität als auch Zufriedenheit steigerten. Der Standard-Betriebsmodus zeigte, dass traditionelle Arbeitsformen weiterhin relevant sind, vor allem für diejenigen, die sozialen Austausch und klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben schätzen. Insgesamt belegt das Experiment, dass eine produktive und zufriedene Belegschaft eher durch Flexibilität, Autonomie und Unternehmensunterstützung als durch den Arbeitsort geprägt wird.

Homeoffice: Neubewertung von Wohlbefinden und Karriere

Das Experiment der FehrAdvice & Partners AG enthüllte zudem, dass Homeoffice entgegen den Befürchtungen vieler Führungskräfte das Mitarbeiterwohlbefinden steigerte und nicht zu Isolation führte. Die Flex-Team-Option verbesserte sogar das Wohlbefinden und die Work-Life-Balance erheblich, während digitale Tools die Teaminteraktion intensivierten. Jedoch ergab sich bei der Karriereentwicklung ein differenziertes Bild: Einige Mitarbeiter sahen in der Flexibilität einen Karrierevorteil, während 35 Prozent negative Auswirkungen auf ihre Karriereentwicklung spürten. Dies unterstreicht die Bedeutung von Unterstützungsmassnahmen, um Homeoffice nicht zum Karrierehindernis werden zu lassen. Die Manager-Mitarbeiter-Auswahl und der Standard-Betriebsmodus boten Struktur und Sicherheit, die je nach individuellen Präferenzen als karrierefördernd empfunden wurden. Diese Erkenntnisse zeigen die Notwendigkeit, Arbeitsweisen neu auszurichten, die sowohl individuelle Bedürfnisse als auch Unternehmensziele berücksichtigen.

Loyalität und Identifikation nicht beeinträchtigt

Die Studie von FehrAdvice & Partners AG widerlegte die Annahme, dass Remote-Arbeit die Unternehmensbindung schwächt – tatsächlich stärkte sie diese sogar. Sowohl in der Flex-Team-Option als auch in der Manager-Mitarbeiter-Auswahl zeigte sich, dass die freie Wahl des Arbeitsorts und strukturierte Flexibilität die Mitarbeiterloyalität und das Engagement erhöhten. Interessanterweise blieb die Loyalität auch in der Kontrollgruppe stabil, was darauf hindeutet, dass die Bindung an ein Unternehmen weniger von der Arbeitsumgebung als von der Qualität der Beziehung und einer Kultur des Vertrauens und der Wertschätzung abhängt.

Verfügbarkeit und Zusammenarbeit als Herausforderung

Die Studie entkräftete auch die Annahme, dass Remote-Mitarbeiter schwerer erreichbar seien. In der Flex-Team-Option nutzten Teams digitale Tools, um effektiv zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, während die Manager-Mitarbeiter-Auswahl zeigte, dass eine Mischung aus Heimarbeit und Büropräsenz die Zusammenarbeit fördert. Der Standard-Betriebsmodus bestätigte den Wert persönlicher Interaktion für bestimmte Aufgaben. Interessant war, dass auch die Kontrollgruppe ohne Änderungen im Arbeitsmodus ihre Kommunikationsfähigkeit beibehielt. Diese Ergebnisse belegen, dass die Herausforderungen der Remote-Arbeit mit passenden Strategien und Tools gemeistert werden können und eine effektive Zusammenarbeit in verschiedenen Arbeitsmodellen möglich ist.

Erfolgsrezept: Flexibilität, Autonomie & Digitale Tools

Das Experiment in einer Bank revolutionierte die Vorstellung von Remote-Arbeit, indem es Flexibilität, Autonomie und digitale Tools als Schlüsselelemente für den Erfolg in der modernen Arbeitswelt herausstellte. Es zeigte, dass eine auf Vertrauen basierende Arbeitskultur für Mitarbeiter und Unternehmen gleichermassen vorteilhaft ist.

Im nächsten Teil unserer Serie beleuchten wir, wie Unternehmen diese Erkenntnisse nutzen können, um ihre Arbeitskulturen anzupassen. Wir erkunden notwendige Strategien und Innovationen für eine nachhaltige, produktive Arbeitsumgebung in einer digitalen Welt. 

Freuen Sie sich auf eine vertiefende Analyse der Zukunft der Arbeit.

Eventtipp

Bei der letzten Digital Academy of Behavioral Economics in diesem Jahr haben wir Nicholas Bloom, Professor an der renommierten Stanford University zu Gast. Der Experte für Arbeitsökonomie wird uns am 12. Dezember um 18.30 durch die neuesten Trends bei hybriden Arbeitsmodellen führen und deren strategischen Wert für das Personalwesen aufzeigen. Nutzen Sie die Gelegenheit und diskutieren Sie mit ihm die jüngsten Forschungsergebnisse.

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