Studie: Beeinflusst die Erziehungsmethode das spätere Wohlergehen von Kindern?

Oft werden sozioökonomische Faktoren wie Einkommen oder Bildung der Eltern bewertet, wenn Zusammenhänge von früher Kindheit und späteren Wohlergehen im Leben untersucht werden. Eine neue Studie hat nun auch die Auswirkungen des Erziehungsstils untersucht.

Studie: Beeinflusst die Erziehungsmethode das spätere Wohlergehen von Kindern?
Exzessives Schreien kann das spätere Verhalten von Kindern nachhaltig beeinflussen. Lizenz: Public Domain

Kindererziehung zielt nicht nur auf den Augenblick ab, sondern dient auch dazu, dem Nachwuchs Verhaltensmuster zu vermitteln, die das Leben als Erwachsener erleichtern.

Viele der Erziehungsmethoden sind von Weltanschauungen geprägt, es gibt kein geprüftes Erfolgsmodell – und vor allem sind die Zusammenhänge sehr komplex. So lässt sich kaum sagen, wie sich Erziehung auf das spätere Wohlergehen eines Kindes auswirkt, gemessen an Einkommen, Bildung und anderen sozioökonomischen Faktoren.

In der Ökonomie wurden diese zwar bereits oft untersucht, wie Laure de Preux von der London School of Economics and Political Science kürzlich bei der “Royal Economic Society’s 2014 annual conference” ausführte, doch sie geben keinen Aufschluss über die Rolle der Erziehung:

“Economists have generally focused on the socio-economic determinants of children’s wellbeing. For example, children from educated mothers and/or from wealthier families are generally better off. But from a public policy point of view, these results are not helpful to improve the worse off; the government cannot send mothers back to school, and it has no guarantee that monetary transfers will be spent in a way that improves the child’s wellbeing.”

Umso wichtiger ist das Verstehen um die Wirkung von Erziehungsmthoden, so de Preux. Frühe Studien, etwa von Baumring (1966), basieren auf kleinen Stichproben und qualitativen Erhebungsmethoden, etwa der Beobachtung. Das führt zu grossen Unschärfen, wenn diese Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung umgelegt werden:

[…] there is the problem of ‘reverse causality’: a mother is more likely to shout if her child is naughty, but the child might be more naughty if her mother shouts a lot. Simply looking at the correlations between the two does not make it possible to disentangle the one-way effect.

Laure de Preux wandte daher nun in ihrer grossen und repräsentativen Stichprobe zu den Auswirkungen von Erziehungsstilen zahlreiche ökonometrische Methoden an, um Probleme wie das oben zitierte zu bereinigen.

Damit kam sie zum Ergebnis, dass generelle Zuwendung – also die Zeit und Geduld, die man für sein Kind aufwenden – insgesamt förderlich ist, im Gegensatz zu strengen Erziehungsmethoden (wie etwa von Baumring in den 1960ern propagiert).

Generell lässt sich aber auch mit ihren Analysen kein spezifischer Erziehungsstil identifizieren, der besondere negative oder positive Langzeitfolgen für das Wohlergehen eines Kind hat.

Nur folgende Muster hat de Preux identifiziert:

  • Exzessives Schreien, harte Strafen und auch das Ignorieren von Kindern können deren späteres Verhalten negativ beeinflussen.
  • Vernünftiges Argumentieren hat keine nachweislichen positiven oder negativen Effekte.
  • Ein besonderer Fokus auf physische Ertüchtigung kann die mentale Verfassung negativ beeinflussen.
  • Eltern mit höherem Einkommen und höherer Bildung schaffen tendenziell einen Erziehungsrahmen, der sich vorteilhaft auf den Erfolg des Kindes im späteren Leben auswirkt.

Für die Ökonomin sind diese Ergebnisse ein erster Schritt in der Forschung zu den Zusammenhängen von Erziehung und Wohlergehen im späteren Leben.

Quelle: Royal Economic Society, Media Briefing: ‘What’s wrong with this kid… or her mum? The quantitative versus qualitative impact of mothers’ parenting style on their child’s wellbeing and behaviour’ by Dr Laure de Preux

  • Es eine ganze Reihe moderner Forschung zu Erziehungsstilen, finden sich in der Psychologie. Meinen Sie mit der Studie von 1966 vielleicht Diane Baumrind? Die hat auch nicht den autoritären Erziehungsstil propagiert, sondern neben dem permissiven und dem autoritativen untersucht. Die Dame hat auch bis in die Neunziger dazu publiziert. In der Psychologie werden dem autoritativen (oder auch demokratischen) Stil eindeutig die besseren Folgen für Persönlichkeit, Entwicklung und Soziales Verhalten der Kinder attestiert. Er zeichnet sich durch ein mittleres Maß an Lenkung mit alters- und entwicklungsgerechten Grenzen sowie einer positiven, liebevollen Atmosphäre aus. Bei Interesse kann man nachlesen u.a. bei Schneewind (Psychologie der Erziehung und Sozialisation) oder bei Krapp & Weidenmann (Pädagogische Psychologie). Beste Grüße

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar: Ja, de Preux verweist auf diese Studie.

    • “Bessere Folgen für Persönlichkeit”, “Alters- und entwicklungsgerechte Grenzen”!?!?
      Ja, so selbstgerecht und normativ formulierten Psychologen im 20.Jahrhundert allenthalben – keine Ahnung von dynamischen biologischen Prozessen haben.