Wie Mitarbeiter ihre Chefs sehen: Kompetenz ist der Schlüssel, Sympathie maximal ein Bonus

So nett der Chef auch sein könnte – Mitarbeitenden ist es signifikant wichtiger, dass er kompetent ist: Kürzlich veröffentlichte Ergebnisse aus Experimenten zum Thema belegen die Präferenz für den unfreundlichen und fordernden Vorgesetzten.

Dass ein sympathisches Auftreten in manchen Berufen ein Vorteil ist, ist mittlerweile gut belegt: Ob Lehrer, Ärzte, Anwälte, Verkaufspersonal oder Kellner – es zeigt sich in zahlreichen Studien, dass vor allem jene erfolgreich sind, die nett aussehen und auch nett sind.

Jüngste Forschungsergebnisse belegen ausserdem, dass die meisten Menschen vorzugsweise mit netten Kollegen zusammenarbeiten. Dabei wird sogar einen Mangel an Kompetenz hingenommen, solange der Sympathiefaktor stimmt.

Doch gilt das auch im Kontakt mit Vorgesetzten? Hier wird das Gegenteil beobachtet: Kompetenz ist der Schlüsselfaktor, Sympathie maximal ein Bonus. Vor allem in westlichen Kulturkreisen gilt Nettigkeit in der Führungsebene als zu weich, zu „weiblich“. Diese stereotypische Geschlechterzuteilung macht die Kombination “männlich und nett” in den Augen mancher Mitarbeiter verdächtigt.

Zwei Experimente, ein Ergebnis

Benny Geys analysierte mit Hilfe zweier Experimente, wie die Tendenz Richtung mehr oder weniger sympathischer Chefs ausschlägt – und ob dabei Muster zu beobachten sind. Dabei lag der Schwerpunkt nicht auf Verhaltenscharakteristika, sondern einer sympathischen Erscheinung. Die Tests gestalteten sich sehr ähnlich und sind daher gut vergleichbar: Einmal wurde den Probanden gesagt, sie seien Mitarbeiter einer Personalabteilung und müssen einen Kandidaten für eine Führungspositionen einstellen. Andere Testpersonen bekamen dieselben CVs inklusive Porträtfoto vorgelegt – sie mussten dabei allerdings die Entscheidung für ihren künftigen direkten Vorgesetzten treffen. Die Kompetenzen der fiktiven Jobanwärter waren immer auf gleichem Niveau und daher nicht ausschlaggebend.

Es zeigte sich, dass Manager mit einem sympathischen Aussehen nicht so gut ankamen wie Personen mit einem weniger gewinnenden Porträtfoto. Es machte auch keinen Unterschied, ob es sich um weibliche oder männliche Jobkandidaten beziehungsweise Testprobanden handelte.

Auch die Perspektiven des zukünftigen Untergebenen oder eines Mitarbeiters der HR-Abteilung stimmten überein: Im Falle einer leitenden Position scheint Kompetenz einem offensichtlich sympathischen Aussehen wund Auftreten bei weitem überlegen zu sein.

Quelle (kostenpflichtig): Benny Geys, Better not look too nice? Employees’ preferences towards (un)likeable managers, The Leadership Quarterly, 24. Februar 2014

  • Das Originalpapier ist auf “ScienceDirect.com” nur gegen Bezahlung einsehbar.

    Mich würde mal interessieren, ob Benny, der Autor, auch Zusammenhänge zu “Halo-Effekten” herstellt.

    Auch darüber hinaus gibt es im Hinblick auf Vorgesetztencharakteristika noch so einiges zu beachten:
    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20422644