Experiment an der Universität Zürich: Hirnstimulation kann das Befolgen sozialer Normen beeinflussen

Eine neues Experiment von Christian Ruff, Ernst Fehr und Giuseppe Ugazio zeigt, wie die elektrische Stimulation einer Gehirnregion im rechten lateralen präfrontalen Kortex das Befolgen sozialer Normen beeinflusst.

Experiment an der Universität Zürich: Hirnstimulation kann das Befolgen sozialer Normen beeinflussen
Foto: Marc Latzel

Foto: Marc Latzel

Die Ergebnisse eines in “Science” publizierten Experiments von Christian Ruff und Ernst Fehr  (Universität Zürich) sowie Giuseppe Ugazio (Universität Wien) erzeugen grosse Aufmerksamkeit (“Changing Social Norm Compliance With Noninvasive Brain Stimulation”).

Der Hintergrund: Ob soziale Normen wie Kleidungsvorschriften, Tischmanieren, Einhaltung von Gesetzen von Menschen eingehalten werden, hängt offenbar vorrangig von einer bestimmten Gehirnregion ab – dem rechten lateralen präfrontalen Kortex (rLPFC). Wie Ruft, Fehr und Ugazio nun zeigen, kann eine Stimulation dieser Gehirnregion mit Hilfe schwacher elektrischer Ströme das Handeln beeinflussen. Dabei kann der für die Einhaltung sozialer Normen zuständige Mechanismus sowohl verstärkt als auch abgeschwächt werden.

Dazu aus dem Abstract des Papers:

All known human societies have maintained social order by enforcing compliance with social norms. The biological mechanisms underlying norm compliance are, however, hardly understood. We show that the right lateral prefrontal cortex (rLPFC) is involved in both voluntary and sanction-induced norm compliance.

Im Rahmen dies Experiments gaben die Wissenschaftler 63 Probanden Geld, das sie jeweils mit einem anonymen Partner teilen mussten. Dadurch wurde die Einhaltung der Fairnessnorm untersucht, wonach das Geld gerecht geteilt werden sollte. Bei einem weiteren Versuch ging es um die selbe Aufgabe, den Teilnehmern wurden diesmal allerdings im Vorfeld Sanktionen für unfaires Handeln angedroht.

Während des Experiments erhöhten bzw. reduzierten die Wissenschafter die Aktivität der Nervenzellen im rechten lateralen präfrontalen Kortex. Wurde die neuronale Aktivität in dieser Hirnregion gesteigert, folgten sie der Fairnessnorm stärker und gaben dem Partner deutlich mehr Geld.

Both types of compliance could be changed by varying neural excitability of this brain region with transcranial direct current stimulation, but they were affected in opposite ways, suggesting that the stimulated region plays a fundamentally different role in voluntary and sanction-based compliance. Brain stimulation had a particularly strong effect for compliance based on socially constituted sanctions, while it left beliefs about what the norm prescribes and about subjectively expected sanctions unaffected. Our findings suggest that rLPFC activity is a key biological prerequisite for an evolutionarily and socially important aspect of human behavior.

Gleichzeitig konnten die Forscher übrigens auch zeigen, dass die Stimulierung nicht nicht Wahrnehmung der Norm veränderte. Unverändert blieb auch die Erwartung der Teilnehmer darüber, ob und wie stark sie für normabweichendes Verhalten bestraft würden. Der Gehirnmechanismus, der für die Einhaltung sozialer Normen verantwortlich ist, ist von den Prozessen getrennt, die Wissen und Glauben über die soziale Norm darstellen”, so die Conclusio.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Ergebnisse aus ihren Experimenten bei der Behandlung bestimmter psychiatrischer und neurologischer Leiden eine Rolle spielen können.

Die Resonanz auf den Artikel in nationalen und internationalen Medien ist bereits enorm. Hier eine Auswahl der jüngsten Meldungen aus: 20 minuten, süddeutsche.de, derstandard.at, Scientific American, Medical Daily, livescience, Business Insider.

C. C. Ruff, G. Ugazi, E. Fehr, Changing Social Norm Compliance With Noninvasive Brain Stimulation, Universität Zürich, 2013 

  • Jede Veränderung von Neurokorrelaten beeinflussen daraus hervorgehendes Verhalten entsprechend.