Studie: Geduldige Menschen leben gesünder

Wenn es um die Gesundheit geht, sollte der Mensch seine Präferenzen zwischen Heute und Morgen neu ordnen. Eine Studie zeigt auf breiter Datenbasis, dass sich fehlende Geduld negativ auf das individuelle Wohlergehen niederschlagen kann.

Studie: Geduldige Menschen leben gesünder

Sich ausgewogen zu ernähren und sich ausreichend zu bewegen sind die Grundvoraussetzungen für eine generell gute körperliche Gesundheit. Das ist keine grosse Neuigkeit. Doch gleichzeitig ist es für viele Menschen schwierig, sich auch dementsprechend zu verhalten. Immerhin muss man dabei vielen Verlockungen widerstehen.

Ob man sich nun für oder gegen ein Dessert, eine Zigarette oder das morgendliche Workout entscheidet, hängt sehr stark davon ab, wie geduldig ein Mensch ist. Hier wirkt vor allem das so genannte Hyperbolic Discounting: Das bedeutet, dass zeitnahe Belohnungen einer grösseren, zukünftigen Belohnung (hier: körperliche Gesundheit und Fitness) vorgezogen werden.

Myong-Il Kang und Shinsuke Ikeda von der Osaka University untersuchten den Zusammenhang dreier vom Umgang mit Zeit geprägter Verhaltensmuster (time discounting) und deren Auswirkungen auf die Entwicklung der individuellen Gesundheit: Ungeduld, Presence Bias (die intuitive Bevorzugung der Gegenwart) – und den Sign Effect. Letzerer hält davon ab, die langfristige Gesundheit für die Versuchungen von heute aufs Spiel zu setzen.

Schwacher Wille, schwaches Fleisch

Dazu nutzten sie Daten der Online-Studie “Japan Internet Survey on Preferences Relating to Time and Risk” und segemntierten die Teilnehmer anhand ihres Umgangs mit der Zeit in Sophisticates und Naïfs ein. Sohisticates meint jene, die Planung und Umsetzung von Zielen im Griff haben. Naïfs sind jene, die Aufgaben tendenziell lieber aufschieben.

Was schon in andern Kontexten evident wurde, ist nun auch im Zusammenhang mit Gesundheit belegt: Es zeigt sich, dass schwaches Durchhaltevermögen einen schlechteren Zustand der untersuchten gesundheitlichen Aspekte nach sich zieht. Je ungeduldiger die Probanden zeigten, desto eher entwickelten sie gesundheitsschädliche Verhaltensweisen wie Rauchen oder zu fettes bzw. süsses Essen – vor allem jene, die sich mit der Einteilung ihrer Zeit schwer taten (Naïfs).

Fazit:

  • Die individuelle Gesundheit korreliert mit dem individuellen Grad an Geduld oder Ausgeglichenheit.
  • Ungeduldige und unausgeglichene Personen neigen eher zu einer ungesunden Lebensweise.
  • Wer bei seinen Entscheidungen besonders auf die Gegenwart fixiert ist, dessen zukünftige Gesundheit ist besonders gefährdet.
  • Zumindest leben Geduldige länger und pflanzen sich länger fort.
    Wie hätte Geduld – und hier landet man wieder beim Marshmallowexperiment – als neurokognitives Phänomen sonst auch evolutionär manifestieren können?