Verkehrsstudie von FehrAdvice auf Titelblatt der “Basler Zeitung”

Zum Nachlesen: Ein Interview mit Gerhard Fehr zur aktuellen Studie “Verkehrslenkende Massnahmen beim Einkaufsverkehr” in der Basler Zeitung.

Verkehrsstudie von FehrAdvice auf Titelblatt der "Basler Zeitung"

“Autos bleiben, trotz weniger Parkplätze”. Diese Schlagzeile fasste kürzlich das Dilemma der hierzulande heiss diskutierten Verkehrspolitik zusammen. Im Artikel werden Erkenntnisse einer Untersuchung von FehrAdvice & Partners beschrieben, welche verkehrsberuhigende Massnahmen rund um Einkaufszentren zum Thema hat und für den Bund erstellt worden ist.

Im Interview erklärt Gerhard Fehr unter anderem, warum eine Parkplatzverknappung beim Konsumenten kaum ein Veränderung im Verhalten bewirken kann:

Basler Zeitung_ Wenn der Mensch eben nicht derart rational reagiert, dass bei einer Verknappung des Angebots die Nachfrage zurückgeht, was könnten die Gründe dafür sein, dass der ÖV nicht als vergleichbare Alternative wahrgenommen wird?

Gerhard Fehr: Evidenzbasierte Arbeiten der letzten Jahre zeigen eindrücklich, dass bereits gemachte Entscheidungen, wie beispielsweise der Kauf eines Autos, massgeblich über das zukünftige ­Nutzungsverhalten Aufschluss geben. Darüber hinaus ist insbesondere beim Einkaufen die Annehmlichkeit, die «convenience», ein entscheidender Faktor, der die Kunden den ÖV nicht als vergleichbare Alternative wahrnehmen lässt.

Das gesamte Interview zum Nachlesen: Autos bleiben, trotz weniger Parkplätze .

Download (PDF, 766KB)

  • Roman Weibel

    Spannende Lektüre, eure Studie. Die Schlussfolgerung, wonach sowohl bei PP-Bewirtschaftung als auch bei PP-Reduktion die Umsteigeeffekte von Auto auf öV minimal sind, kann ich nachvollziehen, eben wegen Status-Quo-Bias und Sunk-Cost-Fallacy. Was aber heisst das nun konkret? Darauf geht ihr weder in der Studie noch im BaZ-Interview ein. Wenn also Autofahrer geradezu renitent gegenüber PP-Reduktionen und PP-Gebührenerhöhungen reagieren, dann heisst das, dass man locker Parkplätze reduzieren kann und locker PP-Gebühren erhöhen kann. Das hat zwei Vorteile: Man erzielt mehr Einnahmen von den PP und man hat mehr Platz für anderes.
    Auf S.33 der Studie schreibt ihr von prohibitiv hohen PP-Gebühren. Mich täte interessieren, ab welcher Franken-Höhe man von prohibitiv hohen Gebühren redet. 5Fr. pro Stunde, 8 Franken? Wo ist die Grenze in der Stadt ZH, wo in der Stadt SG? Mit diesem einen Satz schleicht ihr euch zu einfach aus der Affäre. Denn ich bin überzeugt, dass wirklich hohe PP-Gebühren (aber noch nicht prohibitiv hoch) vielen Autofahrern weh tun und sehr wohl einen Umsteigeeffekt haben. Darum noch einmal: Wie hoch ist prohibitiv hoch?
    Mit keinem Wort wird erwähnt, dass die PP-Gebühren in VE auch dafür eingesetzt werden, um einen guten öV-Service zu finanzieren. Für all jene Kunden, die kein Auto haben. Oder will Expace-Mobilité keine autolosen Kunden?
    Ebenfalls ausser Acht lässt ihr den Zeitfaktor. Der Mensch reagiert ungehalten auf Zeitverluste. Da spielt die Verlustaversion. Wenn ein Autofahrer nun unverhältnismässig lange nach einem PP suchen muss, dann überlegt er sich, was er tun soll. Soll er wirklich eine halbe Stunde bis zum nächsten Megacenter fahren? Soll der draussen vor der Stadt parkieren und mit dem Bus zum VE oder in die Innenstadt fahren? Soll er ewig rumkurven, bis er einen PP gefunden hat? Irgendwann – egal ob Status Quo oder Sunk Costs – wird er den Nutzen seines Autos hinterfragen. Übrigens: Dr. Peter de Haan von Basler+Partner hat unlängst in seinem Vortrag an der HSG gesagt, dass in der Schweiz der Faktor Zeit ein wesentlicher Faktor in der Mobilitätsfrage sei. Die Schweizer seien tatsächlich nicht so preissensitiv, aber umso zeitsensitiver. Diesen Aspekt beleuchtet Ihre Studie nicht.
    Ein Wermutstropfen der Studie ist, dass sie im Auftrag der grossen VE, also der grossen Detailhändler mit ihren Megaeinkaufszentren verfasst wurd.e Und siehe da: Wieder eine Studie, die zum – aus Sicht des Auftraggebers – erhofften Schluss gekommen ist. Sonst wäre sie wahrscheinlich gar nicht publiziert worden.
    Ärgerlich ist, dass nun Ihre Studie dafür herangezogen wird, PP-Gebühren und PP-Reduktionen generell zu hinterfragen. Wenn sie nix bringen, kann man die PP-Gebühren doch auch gleich abschaffen. Und wenn PP-Reduktionen nix bringen, können wir ja neue Parkhäuser bauen. Das ist natürlich der Tribut, den die heutige schnelllebige und gestresste Gesellschaft zahlt. Niemand nimmt sich die Zeit, Studien genau zu lesen und die Schlussfolgerungen exakt zu ziehen. Es wird simplifiziert und schnell geschossen. Da mache ich aber auch Ihnen als Autoren einen Vorwurf. Sie hätten am Schluss der Studie schreiben müssen, was die Studie nun aber nicht aussagt. Schade.