Untersuchung: Gemeinsam sind wir unehrlicher als allein

Ein Dishonesty Shift sorgt innerhalb von Gruppen für mehr Lügen als bei Einzelpersonen. Schuld daran sind (teils falsche) Annahmen über das unehrliche Verhalten der anderen und die entsprechende Anpassung daran.

Untersuchung: Gemeinsam sind wir unehrlicher als allein

Eine Studie mit dem klingenden Titel “I Lie? We Lie! Why?” deckt auf: Sobald wir uns in Gruppen bewegen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir lügen.

Wie es dazu kommt?

Das wurde anhand von 273 Probanden untersucht, die Videos von Würfelwürfen ansahen und danach die Ergebnisse berichten sollten. Diese waren mit einer Belohnung gekoppelt: Je höher die Würfelzahl, desto üppiger die Gratifikation. Und: Lügen wurden nicht bestraft.

Der Anreiz zur Unwahrheit war also stark gegeben, und die Probanden konnten teilweise alleine, teilweise im anonymen Gruppenchat entscheiden, wie sie es mit der Ehrlichkeit halten wollten. Bei der Mehrpersonen-Variante wurden zwei Settings untersucht: Gruppen, in denen nach dem Chat alle Mitglieder dieselbe Zahl nennen mussten, damit sie die Belohnung erhielten. Und Gruppen, die sich nicht einigen und abstimmen mussten.

Es zeigte sich, dass in Folge des starken Anreizes allgemein viel gelogen wurde, aber innerhalb der Gruppen gab es kein Halten mehr:

So haben der Studie zufolge 61,5 Prozent der Teilnehmer gelogen, als sie alleine entscheiden sollten. 86,3 Prozent der Teilnehmer von Gruppen, die sich absprechen konnten, aber in denen jeder für sich entschied, sagten die Unwahrheit. Und sogar 89,7 Prozent der Teilnehmer in Gruppen, die sich zwecks einer Gratifikation koordinieren müssen, täuschten.

Normenaustausch verführt zur Lüge

Der Grund für die verstärkte Unehrlichkeit in Gruppen liegt im Dishonesty Shift, glauben die Autoren. Durch den Austausch und das Feedback unter Menschen werden Normen ausgetauscht. Offenbar nehmen Individuen eher an, dass ihr Zeitgenossen lügen, und gleichen sich dieser ungeschriebenen Regel an. Das geht soweit, dass sogar in Gruppen gelogen wird, wo alle einzelnen Teilnehmer zuvor ehrlich gehandelt hatten.

Innerhalb einer Gruppe lernt man über die Argumente der anderen, wie genau und wie stark eine Norm ist, so die Autoren:

Group members come up with and exchange more arguments for being dishonest than for complying with the norm of honesty. Thereby, group membership shifts the perception of the validity of the honesty norm and of its distribution in the population.

Quellen: