Warum Schüler ihre Leistungen der Gruppe unterordnen – und wie ein Gewinnspiel für bessere Noten sorgen kann

Gruppenzwang spielt eine grosse Rolle bei Schüler-Entscheidungen und kann ihre Leistungen beeinflussen. Studien haben untersucht, wie die Schulleitung mit den richtigen Lernprogrammen gegensteuern kann.

Warum Schüler ihre Leistungen der Gruppe unterordnen – und wie ein Gewinnspiel für bessere Noten sorgen kann

Mit sozialem Druck hatte jeder schon mal zu kämpfen. In der Schule tritt er besonders stark auf und kann sogar so weit führen, dass die individuelle Leistung fällt oder steigt – je nachdem, welcher Gruppe man unbedingt angehören will. Für eine Untersuchung unterschied der Verhaltensökonom Leonardo Bursztyn zwischen zwei Szenarien: „Smart to be cool“ und „Cool to be smart“. In manchen Schulen gehört man also eher zu den coolen Kids, wenn man sich nicht zu sehr mit Leistungen auszeichnet, in anderen sind die die klugen Mitschüler die Helden.

Wobei „Cool to be smart” nicht heissen muss, dass alle Schüler ihr bestes Können auspacken wollen. Manche scheuen dafür zurück, weil sie sich zu wenig zutrauen und mit Versagensängsten kämpfen. Für die Leitung ist es wichtig zu wissen, was in ihrer Schule gerade angesagt ist. Wo smarte Schüler als cool gelten, können Schüler beispielsweise eher an einem ausserschulischen Programm teilnehmen, wenn dieses als „Zusatz-Unterricht“ und nicht als „Nachhilfe“ bezeichnet wird. Aber in einer „Smart-to-be-Cool“-Schule ist es für Kinder sozial akzeptabler, „Nachhilfe“ anstatt von „Zusatz-Unterricht“ zu suchen. Letzteres könnte ja heissen, dass es versucht, die anderen zu übertreffen.

Nachhilfe per Gewinnspiel

Eine frühere Studie von Harvard-Ökonom Roland Fryer fand heraus, dass ein Gewinnspiel Schüler dazu bringen kann, zusätzliche Hilfe zu suchen. Aber nur, wenn die Gewinnchancen hoch waren, nahmen die coolen Kids teil. Ansonsten hätten sie eventuell den Zusatzkurs nicht gewonnen UND auch noch den Respekt ihrer Freunde verloren. In den Schulen mit den „High Achievern“ muss man das Spiel umgekehrt anlegen: Hier gilt die Teilnahme am Gewinnspiel als erstrebenswert, wenn die Chancen auf einen Gewinn etwas runtergeschraubt sind.

So ähnlich läuft es auch, wenn der Lehrer seinen Schülern eine Frage stellt:

If a low-performing student raises his hand when no one else is doing so, his chances of “winning” participation—that is, being called on by the teacher—are high. So the student is unlikely to take that risk. But if ten other kids have already raised their hands, a low-performing student might do the same to fit in with smart peers, since the teacher probably won’t call on him anyway. “Raising your hand is safe,” Egorov says. “You try to pool with the high performers at low risk.”

Studienleiter Bursztyn räumt ein, dass die Experimente noch an zu wenig Schulen durchgeführt wurden, um ihre Ergebnisse zu verallgemeinern. Trotzdem legen sie den Schulverwaltungen nahe, die Kultur ihrer Schützlinge zu verstehen und das Lehrangebot dementsprechend anzupassen.

VBEN mit Leonardo Bursztyn

Beim nächsten Vienna Behavioral Economics Network am 10. September 2019 wird Verhaltensökonom Leonardo Bursztyn zum Thema „Understanding Peer Pressure in Education – From Evidence to Policy” sprechen. Der Assistenzprofessor für Wirtschaftswissenschaften an der University of Chicago schafft mit Feldexperimenten ein besseres Verständnis dafür, wie Individuen ihre Schul-, Konsum-, politische und finanzielle Entscheidungen treffen, und insbesondere, wie sie dabei durch ihr soziales Umfeld geprägt sind. So hat er gezeigt, dass etwa der Gruppendruck eine grosse Rolle bei Bildungsentscheidungen spielt

Wann: 10. September 2019, 18:30-20:00

Wo: Haus der Industrie, Schwarzenbergplatz 4, 1031 Wien

Hier geht es zur Anmeldung

 

Quelle: Georgy Egorov et al, How Peer Pressure Can Lead Teens to Underachieve—Even in Schools Where It’s “Cool to Be Smart”, insight.kellogg.northwestern.edu, Oct 2, 2018