Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern: Je nach Geschlecht unterscheiden sich die Präferenzen bei der Umverteilung

Frauen sind eher für eine gerechte Einkommensverteilung als Männer. Eine Überblickstudie untersucht die Gründe dafür.

Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern: Je nach Geschlecht unterscheiden sich die Präferenzen bei der Umverteilung

Eine Einkommensumverteilung durch regulatorische Eingriffe wird von den Geschlechtern sehr unterschiedlich beurteilt – meistens stehen Frauen solchen Massnahmen positiver gegenüber als Männer. Auch sind es eher Frauen, welche die dahinterstehenden, linksgerichteten Parteien unterstützen.

Was ist für dieses Auseinanderklaffen der Geschlechter verantwortlich? Für eine Studie wurde verhaltensökonomische Literatur gesichtet, die auf ähnlichen Experimentdesigns beruht: Eine anfangs unausgewogene Einkommensverteilung soll mit Hilfe von Steuern unter den Teilnehmern gerechter gemacht werden. Die Voraussetzungen sind unterschiedlich:

Depending on the experimental condition, a participant’s initial position in the income distribution is either random, based on the average income at their place of birth, or decided by their relative performance in a cognitive or effort task. Participants then choose tax (redistribution) rates under three different scenarios: as an impartial observer, behind a veil of ignorance about their own relative position, and with full knowledge about their position in the distribution.

Die Experimente wurden an acht unterschiedlichen Orten in Italien, Deutschland, Norwegen und den USA durchgeführt.

Auf die Voraussetzungen kommt es an

Sobald eine Entscheidung als “unparteiischer Beobachter” getroffen werden muss, geben eher Frauen als Männer höheren Steuersätzen den Vorzug – aber nur unter der Voraussetzung, dass das Anfangseinkommen leistungsabhängig ist. In den Szenarien, wo das Einkommen per Zufall verteilt oder von der Herkunft der Teilnehmer abhängig gemacht wird, verpufft dieser Effekt.

Die Gender-Lücke vergrössert sich vor allem dann, wenn die Teilnehmer nicht wissen, wo genau sie in der ursprünglichen Einkommensverteilung stehen. Und: Männer sind von ihrer eigenen Leistung überzeugter als Frauen. Risiko- und Sozialpräferenzen sind nur für einen kleinen Teil des Genderunterschieds verantwortlich.

Ausserdem sind Frauen risikoaverser. Ein Umstand, der ihre grössere Unterstützung für eine Umverteilung, eine Form der Absicherung gegen Einkommensunsicherheit, erklären könnte. Und letztendlich:

[…] some studies find that women make more egalitarian choices, although these gender differences seem to depend a lot on the exact experimental setting.

Quelle: Thomas Buser et al, Gender and Redistribution: Experimental Evidence, tinbergen institute, August 19, 2016

  • www.FlorianWillet.com

    Sehr schön!
    Ich kann das Original nicht nachlesen, aber dies sind absolut evolutionsspieltheoriekonforme Erkenntnisse.
    Die populationsspieltheoretischen Mechanismen dahinter nachzuvollziehen ist allerdings komplex.
    Darüber geredet werden darf allerdings wiederum kaum, weil Ideologen hier schnell “Biologismus” wittern.
    Ideologiegläubigkeit ist wiederum ein anderes kognitionswissenschaftlich sehr spannendes Phänomen.