Freiwilliger Direktabzug der Einkommenssteuer im Kanton Basel-Stadt – ein verhaltensökonomisches Gutachten

Im Kanton Basel-Stadt wurde ein Vorstoss lanciert, der einen «Automatisierten Freiwilligen Direktabzug der Steuern» vom Lohn vorsieht. Ein Gutachten von FehrAdvice & Partners beurteilt die Wirksamkeit einer solchen Intervention.

Steuerschulden gehören in der Schweiz zu den häufigsten Zahlungsrückständen – rund zehn Prozent der Schweizer Bevölkerung ist mit den Steuern im Rückstand. Im Kanton Basel-Stadt werden wegen Steuerausständen jährlich fast 10‘000 Betreibungsbegehren gestellt. Alleine im Jahr 2015 beliefen sich die Debitorenverluste auf mehr als 25 Millionen Schweizer Franken.

Doch nicht nur auf Seiten des Kantons haben Steuerschulden Konsequenzen. Auf individueller Ebene führen sie unter anderem zu sozialer Isolation und langfristigen Gesundheitsproblemen aufgrund der psychischen Belastung. Die Folgen auf Seiten der Wirtschaft sind häufigere Absenzen und tiefere Produktivität.

Im Kanton Basel-Stadt wurde aus diesem Grund ein Vorstoss lanciert, der einen «Automatisierten Freiwilligen Direktabzug der Steuern» vom Lohn vorsieht. Bei diesem Modell überweist der Arbeitgeber jeweils einen Teil des monatlichen Bruttolohns des Arbeitnehmers direkt an das Steueramt. Der überwiesene Betrag gilt als Vorauszahlung an die Steuern und wird entsprechend verzinst. Für Arbeitgeber ist dieses Direktabzugsverfahren verpflichtend. Für Arbeitnehmer hingegen nicht. Sie können wählen, ob sie davon Gebrauch machen möchten oder nicht. Hier ist ein sogenanntes Opt-out-Verfahren vorgesehen – entscheidet sich der Arbeitnehmer nicht aktiv gegen den Direktabzug, kommt dieser zur Anwendung.

Diese Teilrevision wirft Fragen auf.

  • Führt das Direktabzugsverfahren dazu, dass Bürger entmündigt, ja sogar unter Generalverdacht des Steuerverzugs gestellt werden?
  • Führt das Verfahren zu unverhältnismässigen Kosten und Verantwortlichkeiten bei den Arbeitgebern?
  • Kann ein solches Verfahren die Steuerverschuldung überhaupt reduzieren?

Das vorliegende Gutachten von FehrAdvice & Partners gibt Antworten zu den öffentlich diskutierten Fragestellungen, in dem es sich auf neueste Erkenntnisse aus der Verhaltensökonomie in der Beurteilung der Wirksamkeit einer solchen Intervention stützt.

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