Experiment: Mit Geld in Händen kann sich kurzfristig das soziale Verhalten verändern

Ein französisches Feldexperiment zeigt: Wer mit Geld in Berührung kommt, verändert kurzfristig sein soziales Verhalten. Die Hilfsbereitschaft sinkt signifikant.

Experiment: Mit Geld in Händen kann sich kurzfristig das soziale Verhalten verändern

Eine Untersuchung von Kathleen D. Vohs aus dem Jahr 2006 zeigte, dass sich das menschliche Verhalten allein schon beim Gedanken an Geld verändern kann. Die Prioritäten verschieben sich, wir neigen eher zum Risiko, wir gehen auf Distanz zu jenen, die von uns abhängig sind. Allerdings wurde dies bisher eben nur in Labor gemessen, die Bestätigung im Feld stand noch aus.

Nun testeten die französischen Wissenschaftler Nicolas Guéguen und Céline Jacob in einer mittelgrossen französischen Stadt, ob Geld die menschliche Hilfsbereitschaft tatsächlich verändern kann.

Zwei Experimente wurden vor einem Geldautomaten durchgeführt. Man fragte Personen zwischen 30 und 50 Jahren, die gerade Geld behoben hatten, ob sie an einer kurzen Umfrage zum Thema „Kinder und Autorität“ teilnehmen wollen. Dieselbe Bitte wurde an Passanten gerichtet, die den Automaten nicht benutzt hatten.

Frische Scheine machen unsozial

Der Unterschied in der Bereitschaft mitzumachen war eklatant: Nur 34 Prozent jener, die gerade Geldscheine behoben und in Händen gehalten hatten, nahmen an der Befragung teil. Bei den neutralen Passanten ohne unmittelbaren Kontakt mit Geld zeigten sich beinahe doppelt so viele hilfsbereit (62%).

Beim zweiten Experiment liess eine Teilnehmerin der Forschergruppe beim Gehen ihr Busticket „unabsichtlich“ fallen. Beinahe alle (96%) Passanten, die vom Geldautomaten kamen, machten die Dame auf ihr Missgeschick aufmerksam – aber nur 60% jener, die vorher Geld behoben hatten.

Somit bestätigen sich die Labor-Ergebnisse von Vohs erstmals auch in der Realität: Wer gerade mit Geld zu tun hatte, verhält sich anders als jemand, bei dem dies nicht zutrifft. Die Situation ist hier ein deutlicher Trigger für soziales Verhalten (Hier: Hilfsbereitschaft). Spannend wäre nun noch zu erfahren, wie lange die Wirkung des Kontakts mit Geld anhält. Doch das können nur Folgeexperimente zeigen.

Quellen:

  • Kooperation öffnet implizite Gemeinschaftskonten. Das kann demjenigen, der gerade mehr Kapital hat, zum ökonomischen Nachteil gereichen.
    Wenn Menschen kein oder wenig Kapital haben, oder gerade einiges davon verloren haben, werden sie üblicherweise sehr kooperativ.

    Es hat schon logische Gründe, warum menschliche Neuromodule so evolviert sind, wie sie es sind.