Gut gegen Finanzblasen: Insiderhandel statt Transparenz

Wie lassen sich Finanzblasen verhindern? Die meisten plädieren für mehr Transparenz. Doch die Experimente von Verhaltensökonomen zeigen, dass auch Insiderwissen für weniger Blasenbildung auf Märkten sorgen kann.

Gut gegen Finanzblasen: Insiderhandel statt Transparenz
Wie lassen sich Finanzblasen verhindern? Die meisten plädieren für mehr Transparenz. Doch die Experimente von Verhaltensökonomen zeigen, dass auch Insiderwissen für weniger Blasenbildung auf Märkten sorgen kann.

Egal, ob man es mit Humor versucht wie der deutsche Comedian Chin Meyer in einem Fernsehauftritt, der immer wieder gerne auf Youtube gesehen wird, oder mit einem Blick in die Niederlande des frühen 17. Jahrhunderts – wer Finanzblasen erklären möchte, steht vor dem Problem, dass man immer erst dann klüger ist, wenn die Blasen längst geplatzt sind und sich daraus nur mehr wenig für die Zukunft ablesen lässt. Das hat auch damit zu tun, dass manche Ökonomen selbst zu diesem Zeitpunkt noch gerne darüber streiten, ob es sich in dem jeweiligen Fall um eine Blase gehandelt hat oder nicht. Sie sind ein Marktzustand, in dem sich Preise nicht mehr durch fundamentale Daten erklären lassen. Und sie entstehen, wenn immer mehr Käufer auf steigende Preise spekulieren. Das treibt die Preise nach oben, bis die Blase platzt – und wieder hat es niemand kommen gesehen.

Die einzige Möglichkeit, um das Entstehen von Blasen anhand empirischer Daten unter kontrollierten Bedingungen zu erforschen, bleiben Laborexperimente. Dort können wir sie in kleinen Versuchsmärkten züchten. Und vor allem lässt sich im Labor messen, wie sich die Blasenbildung verhält, wenn man die Rahmenbedingungen eines Marktes ändert.

Mit Transparenz gegen Blasen?

Als eine der zentralen Faktoren, die effiziente Märkte garantieren, gilt Transparenz. Sie soll allen Teilnehmern gleichwertigen Zugang zu Informationen ermöglichen und damit Blasen vorbeugen. Wenn alle Akteure alles wissen, so die Idee, lässt es ihre Rationalität gar nicht zu, auf Preissteigerungen zu spekulieren, die im Markt keinerlei Entsprechung mehr haben.

Auf der anderen Seite haben wir Ökonomen wie Milton Friedman, der der Ansicht war, dass gerade Insiderhandel – also das glatte Gegenteil von Transparenz – für gesündere Märkte sorgt. Wertpapiergeschäfte auf Grundlage nicht öffentlicher Informationen seien Anlegern förderlich, so Friedman sinngemäss, weil die neuen Informationen auf diese Weise schneller als bei einem Verbot von Insidergeschäften in den Marktprozess einfliessen. Der Markt werde dadurch effizienter.

Um zu untersuchen, ob sich die Blasenbildung ändert, wenn man die Informationen unterschiedlich verteilt, haben die Kollegen Jürgen Huber, Michael Kirchler und ich ein Laborexperiment mit 360 Studentinnen und Studenten der Universität Innsbruck durchgeführt (die Ergebnisse sind unter dem Titel “Bubbles and Information: An Experiment” in Management Science erschienen).

Die Studenten sassen vor Computerbildschirmen und handelten dort im Rahmen vordefinierter Settings an einer fiktiven Börse. Das Geld, das sie während des Experimentes verdienten, bekamen sie am Ende auch ausgezahlt. Einzig ihr Wissen über Kursentwicklung und künftige Dividenden war unterschiedlich. So konnten wir Informationsasymmetrien und ihre Auswirkungen auf die Blasenbildung beobachten.

Wo Insider sind, sind weniger Blasen

Das Ergebnis: Bei allen Teilnehmergruppen, wo Insider einen Informationsvorsprung hatten, war die Blasenbildung weniger auffällig. Und nicht nur das: Es reichte allein das Wissen darum, dass andere Trader besser informiert sind, um diesen Effekt zu beobachten.

Die Ergebnisse sind nicht nur ein Indiz dafür, dass Milton Friedman mit seiner Einschätzung recht haben könnte, sondern haben auch Bedeutung für eine Diskussion, die seit der Finanzkrise von 2007 sehr emotional und heftig geführt wird: die um strengere Regeln an den Finanzplätzen, umfassende Offenlegungspflichten und mehr Transparenz, um Blasen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Natürlich sind Informationen für alle und Transparenz weiterhin essenziell für Märkte. Es gibt – das legt nicht nur unser Experiment nahe – allerdings mit Informationsassymetrien auch andere Mechanismen, die Blasen vielleicht erst gar nicht entstehen lassen. Und auf eines darf in diesen Diskussionen nicht vergessen werden: Märkte sind seit jeher durch ungleiche Verteilung von Informationen gekennzeichnet. Einer weiss immer mehr als die anderen. Und einer denkt immer anders als der Rest. Das ist nicht nur das Wesen von Innovation – es ist auch das Wesen von Erfolg (und Misserfolg) am Markt.

  • Sehr provokant!

    Die Überschrift könnte auch lauten: “Pest ist gut gegen Cholera”.

    In etwa so sinnstiftend wie: “Die Abschaffung von Gesetzen reduziert die Anzahl von Gesetzesbrüchen”.

    Auch von zusammengebrochenen Märkten nach geplatzten Blasen haben regelmässig einige Marktteilnehmer auf Kosten anderer profitiert.
    Ob die auch der Meinung sind, dass Blasen etwas schlechtes sind?

    Blasen sind Nullsummenspiele!
    Wer sich darauf einlässt, stimmt Umverteilungsmechanismen zu.

    Und, dass Insider sich heimtückisch einen perfiden Vorsprung verschaffen, kann als das unappetitlichste Element an einer Wertpapierbörse betrachtet werden.

    Aber mich würde Nassem Talebs Meinung zu diesem Artikel interessieren…